*1. Dass die ephesinische Pseudosynode durch 258 die Begünstigung des Parteihasses alles in der Kirche verwirrt habe, dass von ihr die Schreiben des apostolischen Stuhles zurückgewiesen worden, dass alles gewalttätig geschehen, dass Hilarus allein mit Not entkommen sei von den Gesandten, welche widersprachen; dass diese Synode niemals vom apostolischen Stuhle werde angenommen werden.
2. (Der Papst)* fordert mit allen Abendländern von Theodosius, dass bis zu einer größeren Synode alles in demselben Stande bleibe.
3. Er verlangt eine allgemeine Synode in Italien.*
Leo, der Bischof, und die heilige Synode, welche in der Stadt Rom versammelt ist, (sendet Gruß) dem Kaiser Theodosius.
1. Cap. Aus den Briefen euerer Milde, welche ihr 259 vorher an den Stuhl des seligen Apostels Petrus aus Liebe zu dem katholischen Glauben geschickt, haben wir ein so großes Vertrauen geschöpft, es würde durch euch Wahrheit und Friede verteidigt werden, dass wir meinten, es könne in einer so einfachen und so sicher gestellten Angelegenheit nichts geschehen, was Schaden brächte, besonders da zu dem bischöflichen Concil, dessen Abhaltung in Ephesus ihr anbefohlen habet, die Gesandten solche Instructionen hatten, dass, wenn der alexandrinische Bischof die Schreiben, welche sie an die heilige Synode und an den Bischof Flavianus mitbrachten, den Bischöfen hätte veröffentlichen lassen, durch die klare Darlegung des reinsten Glaubens, welchen wir als von Gott eingegeben erhielten und bewahren, aller Streit und Lärm so beruhigt worden wäre, dass die Unwissenheit nicht mehr irren, der Ehrgeiz keine Gelegenheit zu schaden ferner finden würde. Da aber unter dem Vorwande des Glaubens Privatsachen verfolgt wurden, hat die Gottlosigkeit Weniger der ganzen Kirche eine Wunde geschlagen. Denn wir erfuhren, nicht von einem unsicheren Boten, sondern von dem zuverlässigsten Erzähler des Geschehenen, unserem Diakon Hilarus, der mit Mühe entkam, um nicht zur Unterschrift gezwungen zu werden, dass (zwar) sehr viele Bischöfe zur Synode zusammengekommen seien, deren große Zahl allerdings der Beratung und Entscheidung von Nutzen gewesen wäre, wenn der, welcher sich den Vorsitz anmaßte, die bischöfliche Mäßigung hätte beobachten wollen, so dass, wie es Sitte ist, nachdem alle ihre Meinung mit Freiheit ausgesprochen, das mit ruhiger und billiger Untersuchung festgesetzt wird, was dem Glauben angemessen und den Irrenden heilsam ist. Wir hörten aber, dass nicht alle, welche gekommen waren, dem 260 Gerichte beiwohnten. Denn einige wurden, wie wir erfuhren, zurückgewiesen, andere zugelassen, welche nach der Willkür des oben genannten Bischofs ihre Hände gebunden für die gottlosen Unterschriften hergaben und wussten, dass es ihrem Bestande schaden würde, wenn sie das (ihnen) Befohlene nicht getan hätten; von ihm selbst aber wurden ein solches Urteil ausgesprochen, dass man, indem man einen Menschen verfolgte, gegen die ganze Kirche wütete. Das erkannten die unsrigen vom apostolischen Stuhle Gesandten als so gottlos und dem katholischen Glauben entgegengesetzt, dass sie durch keine Gewalt zur Zustimmung gedrängt werden konnten, und dass sie, wie es sich ziemte, in derselben Synode standhaft uud offen erklärten, dass das, was beschlossen wurde, der apostolische Stuhl niemals annehmen werde, weil in der Tat das ganze Geheimnis des christlichen Glaubens vernichtet wird — was fern sei von den Zeiten euerer Frömmigkeit — , wenn dieses so verruchte Verbrechen, welches alle Sacrilegien übersteigt, nicht beseitigt wird.
2. Cap. Weil aber die Bosheit des Teufels die Unvorsichtigen durch List täuscht und Unverständige durch den 261 Schein von Frömmigkeit so hintergeht, dass er ihnen Schädliches als heilsam einredet, so entfernt, wir bitten euch, von dem Gewissen euerer Frömmigkeit die Gefahr der Religion und des Glaubens, und was in weltlichen Angelegenheiten durch die Gerechtigkeit euerer Gesetze zugestanden wird, das gewähret auch bei der Verhandlung göttlicher Dinge: dass menschliche Anmaßung sich nicht am Evangelium Christi vergreife. Seht, christlichster und ehrwürdiger Kaiser, ich erfülle mit meinen Mitbischöfen gegen die Ehrwürdigkeit euerer Milde die Pflicht aufrichtiger Liebe und wünsche, dass ihr in allem Gott gefallet, bei dem für euch von der Kirche gebetet wird, und damit wir nicht vor dem Richterstuhle des Herrn wegen des Stillschweigens als Schuldige gerichtet werden, beschwören wir (euch) vor der unzertrennlichen Dreifaltigkeit der einen Gottheit, welche durch eine solche Tat beleidigt wird, da sie doch die Beschützerin und Vermehrerin eueres Reiches ist, und vor den heiligen Engeln Christi, dass ihr befehlet, es solle alles in dem Stande sein, in welchem es vor allem Gerichte gewesen, bis sich eine größere Anzahl von Bischöfen von dem ganzen Erdkreise versammelt. Lasst euch auch nicht mit einer fremden Sünde belasten, weil wir fürchten, wir müssen dies sagen, dass der Unwille dessen herausgefordert wird, dessen Religion zerstreut wird. Habet vor Augen und betrachtet mit Aufmerksamkeit und Ehrfurcht die Herrlichkeit des seligen Petrus und die mit ihm gemeinsamen Kronen aller Apostel und die Palmen aller Märtyrer, für welche die einzige Ursache ihres Leidens nur das Bekenntnis der wahren Gottheit und der wahren Menschheit in Christus war.
3. Cap. Weil sich nun gegen dieses Geheimnis einige Unverständige gottlos erheben, so bitten alle Kirchen unserer 262 Länder und alle Bischöfe euere Sanftmut unter Seufzern und Tränen, dass, weil sowohl die Unsrigen getreulich Widerspruch eingelegt haben als auch Flavianus diesen eine Appellationsurkunde überreicht hat, ihr befehlet, es solle eine allgemeine Synode in Italien zusammenkommen, welche allen Anstoß entweder zurückdrängt oder mildert, so zwar, dass fernerhin aller Zweifel im Glauben, alle Spaltung in der Liebe aufhöre; dahin mögen auch die orientalischen Bischöfe zusammenkommen; diejenigen von ihnen, welche, durch Drohungen und Unbilden besiegt, von dem Wege der Wahrheit abgewichen sind, sollen durch heilsame Mittel wieder vollständig zurückgebracht werden, und selbst jene, deren Verschulden härter ist, sollen von der Einheit der Kirche nicht geschieden werden, wenn sie einen besseren Rat annehmen. Wie notwendig aber dies nach der eingelegten Appellation gefordert wird, bezeugen die Anordnungen der nicänischen Canones, welche von den 263 Bischöfen der ganzen Welt festgesetzt wurden und unten beigefügt sind. Begünstiget die Katholiken nach euerer und euerer Väter Sitte; gewähret Freiheit, den Glauben zu verteidigen, welchen übrigens — eure Milde gestatte, dies mit Ehrfurcht zu sagen, — keine Gewalt, kein weltliches Schreckmittel wird vernichten können. Wir sorgen nicht minder für euer Reich und Wohl wie für die Kirche, damit ihr euere Provinzen in Frieden besitzet. Verteidigt den Stand der Kirche gegen die Irrlehrer, dass er nicht erschüttert werde, damit auch euer Reich durch Christi Macht verteidigt werde. Gegeben am 13. Oktober unter dem Consulate des Asturius und Protogenes, der erlauchtesten Männer.