Es wurde auch ein göttliches Schreiben von Pulcheria göttlichen Andenkens an denselben heiligsten Mann abgesandt, welches meldete, dass der von Gott geliebteste Erzbischof von Constantinopel, Anatolius, den Irrtum ganz aufgegeben und den neulich an Flavianus heiligen Andenkens gesandten Brief ohne alles Zögern unterschrieben habe, dass nunmehr in den Teilen des Orients eine Synode zu feiern sei, dass ferner der Leichnam desselben Flavianus heiligen Andenkens nach Constantinopel überführt worden, um in der Basilika der Apostel beigesetzt zu werden; die Bischöfe aber, welche, weil sie mit Flavianus göttlichen Andenkens übereinstimmten, in’s Exil geschickt wurden, müssten zum Wiederempfange ihrer Kirchen zurückberufen werden und das Urteil der Synode erwarten. 363
Leo, dem gottesfürchtigsten Bischofe der Kirche der glorreichen Stadt Rom, von unserer Gebieterin Pulcheria und ehrwürdigsten Kaiserin (Gruß.)
Das Schreiben deiner Seligkeit empfingen wir mit der einem jeden Bischofe geziemenden Ehrerbietung, durch welches wir erkannten, dass dein Glaube rein und so beschaffen sei, wie er mit Heiligkeit dem göttlichen Tempel werden muss. Aber auch ich und mein Gebieter, der durchlauchtigste Kaiser, mein Gemahl, verharrten und verharren völlig in eben demselben (Glauben), indem wir alle Verkehrtheit und Befleckung und Vergiftung abweisen. Deshalb verblieb der heiligste Bischof der glorreichen Stadt Konstantinopel, Anatolius, in demselben Glauben und (derselben) Religion und erfasst das apostolische Bekenntnis deines Schreibens unter Beseitigung des jetzt von einigen aufgebrachten Irrtums, wie es deine Heiligkeit aus seinem Briefe noch deutlicher erkennen kann; denn er unterschrieb gleichfalls das Schreiben des katholischen Glaubens, welches deine Seligkeit an den Bischof Flavianus heiligen Andenkens schickte, ohne alles Zögern. Deshalb wolle auch deine Ehrwürdigkeit, auf welche Weise immer es gut scheinen möge, Mitteilung machen, damit alle Bischöfe, auch 364 die des ganzen Orients sowie von Thrakien und Illyrien, wie es auch meinem Gebieter, dem gottesfürchtigsten Kaiser, meinem Gemahle, gefällt, so schnell als möglich von den Teilen des Orients in einer Stadt erscheinen und daselbst auf einer Synode über das katholische Bekenntnis und über jene Bischöfe, welche vorher entfernt wurden, wie es der Glaube und die christliche Frömmigkeit fordert, unter deiner Leitung entscheiden. Ferner möge deine Heiligkeit wissen, dass auf Befehl unseres Gebieters und durchlauchtigsten Kaisers, unseres Gemahls, der Leib des Bischofs Flavianus heiligen Andenkens in die glorreiche Stadt Konstantinopel überführt und in der Basilika der Apostel, wo die früheren Bischöfe bestattet zu werden pflegten, mit geziemender Ehrenbezeigung beigesetzt wurde. Ebenso befahl er auch durch eine eigene pragmatische Anordnung, dass diejenigen Bischöfe, welche eben deshalb, weil sie mit dem heiligsten Flavianus in der Eintracht des katholischen Glaubens sich vereinigt hatten, in die Verbannung geschickt worden waren, zurückkehren, damit durch die Untersuchung der Synode und das Urteil aller versammelten Bischöfe entschieden werde, dass sie ihr Bischofsamt und ihre eigenen Kirchen wieder erhalten. 366