*1. (Der Papst) schreibt, dass den abendländischen Bischöfen unerträglich sei, was in Ephesus gegen den Glauben verübt worden.
2. Dass sowohl Nestorius wie auch Eutyches für den Antichrist kämpfen, gegen welche die Kirche bekennt, dass sie nicht eine Natur, sondern eine Person anbete.*
Leo (sendet) dem Faustus und Martinus, Priestern und Archtmandriten (seinen Gruß).
1. Cap. Da ich jede Gelegenheit zu schreiben gerne ergreife, höre ich nicht auf, euere Liebe mit bischöflicher Zuneigung anzureden, damit ihr aus der Menge der Briefe selbst ersehen könnet, welch’ große Sorge wir für die gesammte Kirche haben; für die eifrige Verteidigung ihres gottseligsten Glaubens muss auch euere Frömmigkeit an unseren Bemühungen teilnehmen. Denn auch durch unsere Brüder, die Bischöfe und Priester, welche wir wegen des Standes der christlichen Religion absandten, und die zuversichtlich schon längst bei euch sind, konntet ihr aus der ganzen ihnen mitgegebenen Unterweisung erkennen, für wie unerträglich bei allen Bischöfen unserer Gegenden das gehalten 359 wird, was die frevlerische Torheit einiger gegen das Geheimnis der menschlichen Erlösung vorzubringen wagte. Nun aber ermahnen wir euch durch unseren Sohn, den Comes Maximinus, mit fortgesetztem Zuspruche, dass, weil durch Gottes Güte die Freiheit der Katholiken bedeutend vergrößert worden, ihr die geistige Standhaftigkeit gegen die Vorläufer des Antichristes ergreifet, nach dem Ausspruche des seligen Johannes: „Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus Christus auflöst, ist nicht aus Gott, und der ist der Antichrist.“
2. Cap. Für diesen wollten Nestorius und Eutyches, zwar unter verschiedener Gestalt des Irrtums, doch in demselben Geiste der Falschheit kämpfen, da der katholische Glaube nach den apostolischen und evangelischen Lehren beide verabscheut, beide verdammt; dieser bekennt, seit das mit dem Vater gleichewige „Wort Fleisch geworden, denselben, an welchen er als Sohn Gottes glaubt, auch als Menschensohn und erklärt, in dem einen wahren Gott und wahren Menschen, dem Herrn Jesus Christus, nicht eine Natur, sondern eine Person anzubeten. In diesem Glauben seid ihr mit uns unzertrennlich und unterschiedlos vereinigt, in diesem verharret standhaft und handelt männlich; und wenn bezüglich der Anordnung dessen, was wir fordern, Verzögerungen eintreten, so berichtet uns bei verlässlichen Gelegenheiten, welche die Gnade Gottes darbieten wird, durch Briefe euerer Liebe! Denn es bringt großen Trost, wenn durch eifrige Seelen der Vollzug erwünschter Angelegenheiten gemeldet wird. Wir wollen aber, dass dieses 360 unser Schreiben, welches wir an euere Liebe schickten, auch den übrigen Katholiken bekannt werde, damit sie erfahren, dass auch sie durch diese unsere Ermahnung zur Verteidigung des Glaubens aufgefordert werden. Gegeben am 8. November unter dem 7. Consulate des Kaisers Valentinianus und dem des Avienus.