*1. Dass der Glaube an die Menschwerdung 227 aus dem Bekenntnisse des Petrus bewiesen werde.
2. Dass das Concil zur Vernichtung des Irrtums und zur Bekehrung der Irrenden berufen werde.*
Leo, der Bischof, (sendet) der heiligen in Ephesus versammelten Synode (seinen Gruß).
1. Cap. Der gottesfürchtige Glaube des gütigsten Herrschers hat, da er weiß, es gereiche ihm zum größten Ruhme, wenn innerhalb der katholischen Kirche kein Same eines Irrtums aufgeht, den göttlichen Einsetzungen diese Ehrfurcht gezollt, dass er zur Durchführung seiner kaiserlichen Anordnung die Autorität des apostolischen Stuhles 228 heranzog als ob er von dem seligsten Petrus selbst erklärt wünschte, was in dessen Bekenntnisse belobt worden sei, als auf die Frage des Herrn: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ die Jünger zwar die verschiedenen Meinungen Verschiedener erzählten; da sie aber um ihre eigene Ansicht gefragt wurden, der Apostelfürst die Fülle des Glaubens in kurzen Worten zusammenfasste und sprach: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes;“ d. h. Du, der du wahrhaft des Menschen Sohn bist, du selbst bist wahrhaft der Sohn des lebendigen Gottes; du, sage ich, bist wahr in der Gottheit, wahr im Fleische, ohne Beeinträchtigung der Eigentümlichkeit der doppelten Natur als beides Einer. Würde Eutyches dies mit Einsicht und Lebendigkeit glauben, so würde er nimmer vom Pfade dieses Glaubens abweichen. Wegen dieses (Glaubens) erhielt er vom Herrn die Antwort: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater. der im Himmel ist. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ Zu weit aber ist von dem Gefüge dieses Baues entfernt, wer Petri Bekenntnis nicht fasst und dem Evangelium Christi widerspricht und dadurch zeigt, dass er nie einen Eifer nach Erkenntnis der Wahrheit besessen, und dass er vergeblich ehrwürdig geschienen, da er sein weisses Greisenhaar nicht mit Herzensreife geziert. 229
2. Cap. Weil man aber die Heilung auch solcher Menschen nicht vernachlässigen darf, und da der christlichste Kaiser in frommer und gottesfürchtiger Weise wollte, dass ein bischöfliches Concil abgehalten werde, damit durch ein volleres Urteil aller Irrtum beseitigt werden könne, so schickte ich unsere Brüder, den Bischof Julius, den Priester Renatus und meinen Sohn, den Diakon Hilarus, und mit ihnen den Notar Dulcitius von erprobtem Glauben, damit sie an meiner statt der heiligen Versammlung euerer Brüderlichkeit beiwohnen und gemeinsam mit euch beschließen, was dem Herrn gefallen wird. Das ist aber: dass zunächst der verpestende Irrtum verdammt, dann über die Wiederaufnahme dessen, der aus Unklugheit irrte, gehandelt werde, wenn er anders die wahre Lehre annimmt und die häretischen Ansichten, in welche sich seine Unwissenheit verwickelte, klar und offen durch Wort und Unterschrift verwirft, wie er es in der uns übersandten Schrift versprochen hat, wo er gelobte, dass er in allem unserem Ausspruche folgen werde. Nachdem wir aber das Schreiben unseres Bruders und Mitbischofs Flavianus erhalten, haben wir ihm über das von ihm an uns Berichtete ausführlicher geantwortet, damit nach Beseitigung des entstandenen Irrtums zur Ehre Gottes ein Glaube auf der ganzen Welt sei und ein und dasselbe Bekenntnis, und damit im Namen Jesu sich alle Kniee beugen, derer im Himmel, auf der Erde und unter der Erde, und jede Zunge bekenne, dass der Herr Jesus Christus ist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Gegeben am 13. Juni unter dem Consulate des Asturins und Protogenes, der erlauchtesten Männer. 230