Durch Epiphanias und Dionysius, Notar der römischen Kirche (übersendet).
1. (Der Papst) *ermahnt die Constantinopolitaner 276 nach der ephesinischen Pseudosynode, dem Glauben und Flavianus anzuhängen.
2. Er tröstet sie über die ungerechte Absetzung Flavianus.*
Leo, der Bischof, und die heilige in der Stadt Rom versammelte Synode (sendet) dem Klerus, den Magistratspersonen und dem Volke von Constantinopel, den geliebtesten Söhnen, Gruß im Herrn.
1. Cap. Nachdem das, was in Ephesus wider Vermuten aller geschah, uns mitgeteilt worden, bekennen wir, dass unser Gemüt vor Trauer bestürzt gewesen, und hätten wir nicht leicht glauben können, dass der Ungerechtigkeit so viel erlaubt gewesen sei, wenn nicht unser Sohn der Diakon Hilarus, welcher von uns an unserer statt mit anderen, um der Synode beizuwohnen, abgesandt worden war, geflohen und zurückgekehrt wäre, um die Teilnahme an dem ungerechten Urteile von sich abzuwenden. Dies deshalb nämlich, weil, nachdem daselbst von den Unsrigen das Wort des Widerspruchs erhoben wurde, der Bischof von Alexandrien aber, welcher allein mit zügelloser Gewalt alles an sich gerissen hatte, dasselbe zu hören verachtete, jener die Bischöfe gegen ihren Willen zu Teilnehmern seines Entschlusses machte, so dass sie mit Gewalt zur Unternschrift gezwungen wurden, obwohl sie keine triftige Ursache zur Verurteilung gefunden hatten. Wir hoffen aber zuversichtlich , dass diese Vermessenheit keineswegs die Genehmigung des frommen und christlichen Kaisers erhalten werden. Weil wir nun wissen, dass euere Kirche auf solche Weise 277 zerstreut ist, so glaubten wir euch durch unser Schreiben trösten und ermutigen zu müssen, dass ihr zur Verteidigung des katholischen Glaubens der Nichtswürdigkeit der Treulosen widerstehet. Denn wir wollen nicht, dass euere Liebe ob dieser Trauer verzagt werde, da ja euerer Standhaftigkeit eine größere Herrlichkeit folgen wird, wenn euch von euerem erprobten Bischof keine Drohung, keine Furcht zn trennen vermochte. Denn wer immer, so lange euer Bischof Flavianus lebt, sich in sein Bistum einzudrängen wagt, der wird nimmer unsere Gemeinschaft erlangen und nie den Bischöfen beigezählt werden können. Denn sowie wir den Nestorius in seiner Bosheit mit dem Banne belegten, so verdammen wir mit gleichem Abscheu auch diejenigen, welche die Wahrheit unseres Fleisches in unserem Herrn Jesus Christus leugnen.
2. Cap. Steht also fest im Geiste der katholischen Wahrheit und vernehmet die Mahnung des Apostels aus unserem Munde: „Denn euch ist es in Beziehung auf Christus gegeben, nicht nur an ihn zu glauben, sondern für ihn zu leiden.“ Glaubet nicht, Geliebteste, dass der Schutz Gottes seiner Kirche mangle oder mangeln werde. Denn die Reinheit des Glaubens erglänzt, wenn der Schmutz der Irrtümer davon abgesondert wird. Deshalb beschwören und ermahnen wir euch immer wieder vor dem Angesichte des Herrn, dass ihr euch von dem Glauben, in welchem ihr gegründet seid, und in dem, wie wir wissen, der christlichste Kaiser verharret, durch keine Nachstellungen, durch keine Überredungskünste irgend jemands abbringen lasset, sondern dass ihr in der Person eueres Bischofes den mit den Augen des Herzens betrachtet, für welchen derselbe sich nicht scheute alles ihm Zugefügte zu erleiden; ihn möget ihr, das wünschen wir, in allem nachahmen, damit ihr mit ihm den gemeinsamen Lohn des Glaubens besitzen 278 könnet. Gegeben am 15. Oktober unter dem Consulate des Asturius und Protogenes, der erlauchtesten Männer.