Er wünscht dem Ravennius nach seiner Erwählung zum Bischofe Glück, empfiehlt ihm die bischöflichen Tugenden und ermahnt ihn, öfter (an Leo) zu schreiben.
Dem geliebtesten Bruder Ravennius (sendet) Leo (seinen Gruß).
Wisse, dass die Beförderung deiner Liebe, welche die Würde des Hohenpriestertums erlangt hat, uns so gefällt, dass wir uns nicht bloß deinetwegen über die Erhöhung der Würde erfreuen, sondern auch wegen der Kirche von Arles, welcher der Herr dich vorsetzte. Denn es gereicht allen Gläubigen zur Zierde und zum Nutzen, wenn sie einen solchen Bischof haben, durch dessen Schutz sehr Viele Hilfe, durch dessen Beispiel sie Anregung finden. Deshalb, weil es dir nicht unbekannt ist, was wir über die Reinheit deines 248 Gemütes nach der vorausgehenden Kenntnis dachten, weißt du, dass wir mit vollem Rechte fordern, dass wir das auch beweisen, was wir voraussetzen, teuerster Bruder! Deiner Bescheidenheit also fehle nicht die Autorität, die Standhaftigkeit empfehle Sanftmut, die Gerechtigkeit lindere Milde, die Geduld enthalte Freimut; mit Vermeidung des Stolzes, der bald zum Fallen bringt, werde die Demut geliebt, welche stetes Gedeihen verdient. Über die kirchlichen Gesetze ist deine Liebe nicht in Unkenntnis, so dass du alle Rechte deiner Gewalt innerhalb der Regeln und Grenzen derselben hältst. Deshalb nämlich sagt man, das Gesetz sei nicht für den Gerechten gegeben, weil er die Norm des Gebotes durch das Urteil seines Willens erfüllt, obwohl die wahre Liebe für das Rechte sowohl die apostolischen Anordnungen wie auch die canonischen Satzungen nicht in sich selbst trägt. Wenn du dieselben mit Hingebung befolgst und sorgfältig ausführst, so wirst du ohne Zweifel deinen Ruhm in der Gemeinschaft derer finden, welche wegen der Vermehrung der ihnen anvertrauten Talente zu hören verdienten: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht, weil du über Weniges getreu gewesen, will ich dich über Vieles setzen, gehe ein in die Freude deines Herrn!“ Damit du aber nicht Bedenken trägst, auf unsere Liebe zu dir zu vertrauen, so wolle uns über den Verlauf deiner Handlungen öfter benachrichtigen, weil wir, unseres Gerichtes eingedenk, uns 249 stets deiner Fortschritte im Herrn zu rühmen wünschen. Gott erhalte dich unversehrt, teuerster Bruder!