1. (Der Papst) *schickt ein Exemplar des von ihm an sie vor der Synode geschriebenen Briefes. 264
2. Er beklagt die unseligen Taten der Pseudosynode, sendet ein Exemplar des an Theodosius gerichteten Schreibens, verlangt ein Concil in Italien.
3. Er überträgt die apostolische Legation bei Theodosius der Pulcheria.*
Leo, der Bischof und die heilige in der Stadt Rom versammelte Synode (entbieten Gruß) der Kaiserin Pulcheria
1. Cap. Wenn das in der Angelegenheit des Glaubens durch unsere Kleriker gesandte Schreiben an deine Frömmigkeit gelangt wäre, so ist es sicher, dass ihr gegen das, was nun wider den Glauben geschehen ist, unter Einsprechung des Herrn hättet Mittel schaffen können. Denn wann wäret ihr den Bischöfen, wann der christlichen ReIigion oder dem Glauben nicht hilfreich zur Seite gestanden? Da aber die (von uns) Gesandten so wenig zu euerer 265 Sanftmut gelangen konnten, dass von ihnen kaum der eine, der Diakon Hilarus, entfloh und zu uns zurückkehrte, glaubten wir das Schreiben wiederholen zu müssen. Damit jedoch unsere Bitten um so kräftiger seien, schlossen wir eine Kopie des an euere Milde nicht angekommenen Schreibens an, indem wir euch noch dringender bitten und schwören, dass ihr, je Herberes geschehen ist, dem ihr euch eurem kaiserlichen Glauben gemäß widersetzen müsset, mit desto größerem Ruhme für jene Religion Sorge tragt, in welcher ihr hervorragt, damit die Unversehrteit des katholischen Glaubens durch menschliche Streitigkeiten niemals geschädiget werde. Denn das, wovon man glaubte, es würde auf der in Ephesus versammelten Synode durch das Mittel des Friedens beigelegt und geheilt werden, führte nicht nur zu noch größerem Unfrieden, sondern auch, was allzu sehr bedauerlich ist, zum Verderben des Glaubens selbst, durch den wir Christen sind.
2. Cap. Die nun, welche abgesandt waren, und von denen einer der Gewalttätigkeit des sich alles anmaßenden Bischofs von Alexandrien entkam und uns das Geschehene der Ordnung nach getreulich berichtete, widersprachen, wie sie mussten, auf der Synode nicht so sehr dem Urteile als dem Wüten des einen Menschen, indem sie öffentlich erklärten, dass das, was durch Gewalt und 266 Furcht geschah, den Geheimnissen der Kirche und dem von den Aposteln festgesetzten Symbolum Eintrag tun könne, und dass sie sich durch keine Unbilde von jenem Glauben würden trennen lassen, den sie nach seinem ganzen Inhalte erklärt und erläutert vom Stuhle des seligen Apostels Petrus zur heiligen Synode überbracht hätten. Da jedoch dessen Vorlesung, obschon es die Bischöfe forderten, nicht zugelassen wurde, so dass jener Glaube, welcher die Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer krönte, beseitigt, die Geburt unseres Herrn Jesu Christi im Fleische und das Bekenntnis seines wahren Todes und seiner Auferstehung — mit Schaudern sagen wir es — vernichtet wurde, schrieben wir hierüber, wie wir konnten, an den glorreichesten und, was das Wichtigste ist, christlichen Kaiser, von welchem Briefe wir gleichfalls eine Abschrift beilegten damit er nicht zulasse, dass der Glaube, in welchem er wiedergeboren durch die Gnade Gottes regiert, durch eine Neuerung entstellt werde; weil der Bischof Flavianus in unser aller Gemeinschaft verbleibt und das, was ohne alle Berücksichtigung der Gerechtigkeit und gegen alle Ordnung der Canones geschah, durchaus nicht für rechtskräftig gehalten werden kann, und weil die ephesinische Synode das Ärgernis der Zwietracht nicht gehoben, sondern vergrößer hätte, deshalb solle für ein in Italien abzuhaltendes Concil Ort und Zeit festgesetzt worden, nachdem alle Klagen und Vorentscheidungen beider Parteien aufgehoben worden, damit alles, was Anstoß erregte, nochmals sorgfältiger verhandelt werde und ohne Beschädigung des Glaubens, ohne Unbilde für die Religion diejenigen Bischöfe zum Frieden 267 Christi zurückkehren, welche durch die Übermacht zur Unterschrift gezwungen wurden, die Irrtümer allein aber beseitigt werden.
3. Cap. Damit wir dies zu erlangen vermögen, wolle deine Frömmigkeit des von uns ganz bewährten Glaubens, welche die Arbeiten der Kirche stets unterstützte, unsere Bitte bei dem mildesten Kaiser kraft der ihr von dem seligsten Apostel Petrus eigens übertragenen Sendung vorbringen: dass, bevor dieser verderbliche Bürgerkrieg in der Kirche überhandnehme, er (uns) die Möglichkeit verleihe, die Einheit unter Gottes Beistand wiederherzustellen, da er weiss, dass zur Kräftigung seines Reiches beitragen wird, was immer durch seine gütige Anordnung der katholischen Freiheit gewährt wurde. Gegeben am 13. Oktober unter dem Consulate des Asturius und Protogenes, der erlauchtesten Männer.